B wie babble, D wie Dibbe
So schwätzt Mannem
Aussprache und Grammatik des Monnemerischen, ohne Fachchinesisch. Mit den Regeln, nach denen aus „Kartoffel“ eine „Grumbeer“ wird und aus „ich“ ein „isch“.
Monnemerisch ist kein schlampiges Hochdeutsch. Es folgt Regeln, nur eben eigenen. Die meisten betreffen die Konsonanten: Sie werden weicher, rutschen nach hinten oder fallen ganz weg. Wer die Muster einmal erkannt hat, kann viele Wörter selbst herleiten. Wer sie nachmachen will, sollte allerdings vorsichtig sein. Echte Mannheimer hören sofort, ob jemand übt.
Die Konsonanten werden weich
Hart klingende Laute mag die Kurpfalz nicht. Aus p wird b, aus t wird d, und zwischen zwei Vokalen wird das b gleich zum w. Deshalb heißt „über“ hier „iwwer“, „oben“ wird „owwe“, und der Hügel ist ein „Hiwwel“. Das g am Wortende landet hinten im Rachen als ch: „Daach“, „Sunndaach“, „Dunnerschdaach“.
| Regel | Hochdeutsch | Monnemerisch |
|---|---|---|
| p wird b, t wird d | Pfanne, Tür, Topf | Pann, Dür, Dibbe |
| k am Wortanfang wird weicher | Kartoffel (Grundbirne) | Grumbeer |
| b zwischen Vokalen wird w | über, oben, haben, Hügel | iwwer, owwe, hawwe, Hiwwel |
| g am Ende wird ch | Tag, Sonntag | Daach, Sunndaach |
| g zwischen Vokalen wird j oder fällt weg | liegen, Vögel | leie, Vechel |
| ich wird isch | ich, nicht, richtig | isch, ned, rischdisch |
| st und sp werden scht und schb | erst, gestern, springen | erschd, geschdern, schbringe |
| ei wird oft ää | heiß, weiß, heim | hääß, wääß, hääm |
| a wird oft o | Mannheim, ja, Jahr | Monnem, jo, Johr |
| End-n fällt weg | machen, kommen, Kuchen | mache, kumme, Kuche |
| ü und ö werden i und e | müde, böse, Löffel | mied, bees, Leffel |
| au wird oft uff | auf, aufpassen | uff, uffbasse |
Das Mannheimer „isch“
Am „isch“ erkennt man Mannheim und Ludwigshafen schnell. Wo im Hochdeutschen ein ch hinter e oder i steht, sagt man hier sch: „isch“, „misch“, „disch“, „rischdisch“. In Heidelberg und weiter südlich hört man das seltener. Wer also „isch hab disch gern“ sagt, verrät sich als Kind der Quadrate oder der Pfalz driwwe.
Dazu kommt das sch vor t und p, auch mitten im Wort: „erschd“, „geschdern“, „schbringe“. Das ist kein Lispeln, das ist Programm.
Endungen fallen weg
Das n am Ende eines Wortes ist im Monnemerischen meistens weg. „Machen“ wird „mache“, „kommen“ wird „kumme“, „Kuchen“ wird „Kuche“. Das spart Zeit und klingt freundlicher. Auch das e am Ende verschwindet oft: „die Supp“, „die Gass“, „die Woch“.
Bei den Vokalen gibt es zwei Lieblingsmuster. Das a dunkelt zum o ab, daher „Monnem“, „jo“ und „Johr“. Und das ei wird gern zum langen ää: „hääß“, „wääß“, „dehääm“. Die Umlaute ü und ö werden entrundet zu i und e, also „mied“ statt müde und „bees“ statt böse.
Grammatik mit eigenem Kopf
Den Genitiv braucht in Mannheim niemand. Statt „das Auto meines Vaters“ heißt es „em Vadder sei Audo“, eine Konstruktion, die man in vielen deutschen Mundarten findet. Das Präteritum ist ebenfalls selten, erzählt wird im Perfekt. Und wer betonen will, dass wirklich niemand etwas gesagt hat, verneint doppelt.
| Regel | Hochdeutsch | Monnemerisch |
|---|---|---|
| Verkleinerung mit -che oder -sche | kleines Kind, Mädchen | Bobbelsche, Mädsche |
| Dativ statt Genitiv | das Auto meines Vaters | em Vadder sei Audo |
| „wo“ als Relativpronomen | der Mann, der dort steht | de Mann, wo do steht |
| Perfekt statt Präteritum | ich ging, ich sah | isch bin gange, isch hab gsehe |
| Doppelte Verneinung | Da hat niemand etwas gesagt. | Do hot kenner nix gsaacht. |
| „mer“ für wir und man | Wir gehen. Das macht man so. | Mer gehn. Des macht mer so. |
| Artikel werden kurz | der, die, das, ein | de, die, des, e |
| Fragepartikel am Schluss | Das war schön, nicht wahr? | Des war schee, gell? |
| tun als Hilfsverb | Ich arbeite gerade. | Isch du grad schaffe. |
Klein, kleiner, Bobbelsche
Verkleinert wird mit -che oder -sche: „Bobbelsche“, „Mädsche“, „Dibbelsche“. Das macht vieles freundlicher, auch wenn es gar nicht klein ist. Ein „Schöppsche“ kann durchaus ein halber Liter sein.
Wer „gell“ sagt und keine Antwort erwartet, ist angekommen.
Üben, ohne sich zu blamieren
Zuhören
Wochenmarkt, Straßenbahn, Kerwe. Dort hören Sie die Mundart so, wie sie gesprochen wird.
Mit kleinen Wörtern anfangen
„Gell“, „alla“, „ebbes“, „nix“. Die fallen nicht auf und passen fast überall.
Nicht übertreiben
Eine nachgemachte Mundart klingt schnell nach Fasnachtssitzung. Lieber ein Wort zu wenig.
Nachfragen
Mannheimer erklären ihre Wörter gern. Fragen Sie, was „Fisemadende“ heißt. Sie bekommen eine Geschichte dazu.